PRISMA

Choreographie von Elisabeth Schilling

PRISMA ist die choreografische Interpretation der Etüden für Klavier des ungarischen Komponisten György Ligeti. Ursprünglich als 20-minütige Version für das Monodrama Festival Luxembourg 2019 kreiert, dann unter dem Titel Sketches with Ligeti, und anschließend auf Tournee zum Kunstfest Weimar, Wonder Woman Festival Toskana und Tanz*Hotel Wien, wird Elisabeth das 20-minütige Solo zu einem abendfüllenden Werk in den Jahren 2022 und 2023 in Residenzen bei Spam! Italien, City Moves Dance Agency Aberdeen und Tanzhaus Zürich, R.E.D. Norwegen ausbauen.

Die Kreation wird sich auf die beiden ersten Bücher der Etüden für Klavier von György Ligeti konzentrieren.

 

Das Werk wird 2023 zur Feier des 100. Geburtstags des Komponisten uraufgeführt und auf Tournee gehen.


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Sie taucht in diese Welt des kraftvollen Klangs auf unglaublich sensible Weise ein, kraftvoll auch in der Stille. (…) Zerbrechlich und stringent zugleich ist ihr Tanz zwischen Intuition und Konstruktion, kraftvoll, energetisch und zart. Und doch immer irgendwie zerbrechlich. So klug und so berührend.

– Rando Hannemann, tanz.at

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Konzept

Schau hoch und hör es ticken… Den ungarischen Komponisten György Ligeti faszinierte die Koexistenz von Uhren und Wolken in unserer Welt, von präzisen Maßen und Schätzungen, und diese Koexistenz übertrug er in seine Musik. Da Wolken und Uhren nach wie vor die menschliche Vorstellungskraft anregen, boten sie für Ligeti einen Knotenpunkt, von dem aus er in einem kontinuierlichen Diskurs zwischen Kunst und Wissenschaft experimentieren konnte.
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Mit PRISMA greift Elisabeth Schilling Ligetis Auseinandersetzung mit Kunst und Wissenschaft auf, um diese als Methode im Bereich des engagierten Tanzes zu entfalten. Zu diesem Zweck hat sie die Études ausgewählt, eine Reihe von kurzen und äußerst schwierigen Stücken für Soloklavier, die sich nach Ligeti in einem kompositorischen und pianistischen Sinne wie “wachsende Organismen” verhalten. In diesem Sinne hat sich Schilling zusammen mit der Pianistin Cathy Krier auf die ersten beiden Bücher der Etüden konzentriert und dabei Tanz und Musik als zusammenhängende Formen behandelt, die sowohl parallel zueinander als auch durcheinander wachsen, wodurch ein Tanz-Konzert-Konzert-Tanz entsteht, bei dem keine Form die andere dominiert. Die Arbeit mit komplexen Partituren hält eine Spannung aufrecht zwischen dem Uhrwerk eines vollkommen durchdachten Stücks und den Wolken von Möglichkeiten, die ein Gefühl improvisatorischer Freiheit in sich bergen. Die einzigartigen Merkmale jeder einzelnen Etüde (ihre Farben, Texturen, Bewegungen, und Atmosphären) werden zu einem komplexen und auf ewig offenen Ganzen verwoben.
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Anlässlich des 100. Geburtstags von Ligeti im Jahr 2023 wird das 45-minütige Stück PRISMA zusammen mit einem weiteren Werk in Zusammenarbeit mit Cathy Krier, der Gesamtproduktion HEAR EYES MOVE, auf Tournee gehen. Dances with Ligeti (für fünf Tänzer und Klavier). Zusätzlich zu dieser Tournee mit der Kompanie beabsichtigt Elisabeth, das Solo auch an kleineren ländlichen Schauplätzen aufzuführen.

Die “Etüden” des ungarischen Komponisten György Ligeti sind kurze, technisch und musikalisch ungemein schwierige Stücke für solo Klavier. György Ligeti sagte über seine Etüden, sie verhielten sich im kompositorischen und pianistischen Sinne wie “wachsende Organismen”. Diesem Gedankengang folgend werden die Choreografin Elisabeth Schilling und die Pianistin Cathy Krier versuchen, eine noch nie dagewesene Sichtweise auf die Etüden zu schaffen, indem sie Tanz und Musik als zusammenhängende Formen behandeln, die nebeneinander und ineinander wachsen, und so ein Tanzkonzert und einen Konzerttanz schaffen, bei dem keine Form die andere dominieren soll. Während die Musikstücke wechseln, bleibt der choreografische Fluss ununterbrochen, so dass der Tanz ein Muster aus Kontrast und Anpassung an die Musik bildet.

Foto-Kredit: Martina Stampf / Tanz*Hotel Wien (Fotos Nr. 1-3)

Foto-Kredit: Candy Welz (Fotos Nr. 4-8)

Die Luxemburgerin Cathy Krier ist eine international bekannte Solopianistin, die regelmäßig mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg auftritt. Elisabeth Schilling, die als Tänzerin in Repertoirestücken von Kompanien wie Sasha Waltz, Trisha Brown und dem Scottish Dance Theatre auftrat, hat sich inzwischen auch einen Namen als preisgekrönte junge Choreografin gemacht.

Um also musikkinetische Organismen wachsen zu lassen, im Tanz, in der Musik und in ihrer gemeinsamen Evolution, Elisabeth Schilling wird sowohl auf Ligetis kompositorische Methode als auch auf Cathy Kriers pianistische Methode mit einem choreographischen Ansatz antworten, der mithilfe ihrer eigenen reichen und kraftvollen Vorstellungskraft die in der Partitur charakteristischen Bewegungen, Techniken und Konzepte in Tanz umsetzt.

Der Schwerpunkt muss hier jedoch auf der Übersetzung liegen, auf dem Übergang von einer Sache zu einer anderen,ohne feste Vorbestimmung: Es geht nicht darum, dieselbe Sache in einem anderen Medium oder einer anderen Kunstform neu zu erschaffen, sondern darum, eine komplexe Vielfalt von Bewegungen, Zuständen, Formen, Bildern und Erscheinungen durch verschiedene Formen und Medien hindurch zu erweitern und zu variieren – eine Frage der Schöpfung, des Werdens, statt der endgültigen Formen.


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‘Ich war sehr beeindruckt von ihrem Konzept “Mosaikgleiche Augenblicklichkeiten, Skizzen zu Ligeti” und der intensiven Arbeit, die sie an der Aufführung dieses Werks geleistet hat. Ich schätzte besonders die raffinierte konzeptionelle Beziehung zwischen dem sehr komplexen und starren Klavierauszug und dem offenen, wenn auch überraschend präzisen Bewegungsmuster. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, das Ligeti-Projekt in unserem nächsten Herbstprogramm zu präsentieren.’

– Roberto Castello, künstlerischer Leiter SPAM! – rete per le arti contemporani –

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György Ligeti

György Sándor Ligeti (1923 – 2006) war ein österreichisch-ungarischer Komponist der zeitgenössischen klassischen Musik. Er wurde als “einer der wichtigsten Avantgarde-Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts” und “einer der innovativsten und einflussreichsten unter den progressiven Persönlichkeiten seiner Zeit” bezeichnet. Cummings, Robert. (‘György Ligeti: Künstlerbiographie’) Geboren in Siebenbürgen, Rumänien, lebte er in der Ungarischen Volksrepublik, bevor er 1956 nach Österreich emigrierte. Durch die Behörden des kommunistischen Ungarns in seinem Musikstil eingeschränkt, konnte Ligeti erst in Österreich seine Leidenschaft für Avantgarde-Musik voll ausleben und neue Kompositionstechniken entwickeln.

Nachdem er in Köln mit elektronischer Musik experimentiert hatte, gelang ihm der Durchbruch mit Orchesterwerken wie Atmospheres (1961), für das er eine Technik verwendete, die er später “Mikropolyphonie” nennen sollte. Nach seiner “Anti-Anti- Oper” Le Grand Macabre (1974-1977) wandte sich Ligeti von der Chromatik ab und in seinen späteren Werken der Polyrhythmik zu. Burde, Wolfgang (György Ligeti, Eine Monographie)

Zwischen 1985 und 2001 komponierte Ligeti einen Zyklus von 18 Etüden für Klavier solo. Sie gelten als eine der wichtigsten kreativen Leistungen der letzten Jahrzehnte und als eine der bedeutendsten Zusammenstellungen von Klavieretüden des 20. Jahrhunderts. Sie vereinen technische Virtuosität und Ausdrucksgehalt in der Tradition der Studien von Frédéric Chopin, Franz Liszt, Claude Debussy und Alexander Skrjabin, behandeln aber neue technische Ideen als eine Art Zusammenfassung der Konzepte, die Ligeti selbst seit den 1950er Jahren in seinen anderen Werken entwickelt hat. Denk, Jeremy (Libretto Ligeti / Beethoven)

TEAM

Elisabeth Schilling  

lisabeth Schilling ist Tänzerin und Tanzschaffende. Sie studierte am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt am Main sowie am TrinityLaban Conservatoire of Music and Dance (BA Dance Theatre) in London und an der London Contemporary Dance School (MA Contemporary Dance).

Schilling tanzt regelmäßig in internationalen Produktionen in ganz Europa, z. B. in Großbritannien, Finnland, Norwegen, Österreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland. Sie hat für über 30 bedeutende Choreografen und Kompanien gearbeitet, darunter das Scottish Dance Theatre, Sasha Waltz (Repertoire), Trisha Brown (Repertoire), Koen Augustijn (Les Ballet C de la B), Clod Ensemble, Rosemary Butcher, Theo Clinkard, Fleur Darkin, Reinhild Hoffmann, Joe Moran, Mamia Company, Anu Sistonen, Rachel Lopez de la Nieta und Dog Kennel Hill Project, Candoco Company, Pablo Bronstein, Phil Niblock, Anna Parkina, Victor Fung Dance, Quang Kien Van, Bernard Baumgarten, etc. unter anderem in Institutionen wie Tate Britain, Tate Modern, Southbank Centre London, Sadlers Wells London, Grand Théâtre Luxembourg, The Lowry Manchester, Wales Millenium Centre.

Sie hat außerdem an Forschungsprojekten mit Damien Jalet, Judith Sanchez Ruiz, Jorge Crecis und Henri Oguike teilgenommen. Daneben assistierte sie Dana Caspersen (The Forsythe Company) bei der Veranstaltung “UNDER I STAND” an der University of Southern California, Los Angeles, sowie bei der für Deutschland überarbeiteten Version des Stückes im Rahmen des Ausufern Festivals 2018, Uferstudios Berlin.

Elisabeth erhielt zahlreiche choreografische Aufträge: vom Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, der Philharmonie Luxemburg, dem Scottish Dance Theatre Creative Learning, der Tate Gallery of Modern Art (für Tate Live) in London, TrinityLaban, TEAK Helsinki, DACI Kopenhagen, der Bank of Cyprus; sowie von WUK Wien, KINDL Berlin und zeitraumexit Mannheim (mit schaitlcosta).

Ihre choreografische Arbeit wurde international von diversen Stiftungen, Kulturförderungsorganisationen und Residenzen in unterstützt (Seoul Dance Centre, Dance 4 Nottingham, TripSpace London, DanceCity Newcastle, Trois C-L Luxembourg, Kulturstiftung RLP, FOCUNA, CityMoves Aberdeen, Koli Residenz Helsinki, WU Art Space Gothenburg, Arbeitsplatz Wien).

Des Weiteren war Elisabeth Co-Kuratorin der Ausstellung ‘Man muss das Leben tanzen. Die Kunst. Der Körper. Tanzen. Interrelations’. (Man muss das Leben tanzen. Kunst.Körper.Tanz.Wechselbeziehungen’ an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, die mehr als 25 Werke von 12 Künstlern aus 9 Ländern umfasst und von der größten deutschen Tanzzeitschrift TANZ empfohlen wurde, neben Ausstellungen im MOMA, New York und in der National Portrait Gallery, London.

Elisabeth hat mehrere Preise gewonnen: Dance Umbrella (‘Young Spark’), Bolzano Danza und AWL Mainz.

© Bohumil Kosthoryz

Cathy Krier 

Cathy Krier, 1985 in Luxemburg geboren, begann im Alter von fünf Jahren ihr Klavierstudium am Konservatorium von Luxemburg. Im Jahr 1999 wurde sie in die Meisterklasse von

Pavel Gililov an der Hochschule für Musik und Tanz in KölnPrize aufgenommen.Prize Im Jahr 2000 nahm sie Beethovens Klavierkonzert in G-Dur mit dem Lettischen Philharmonischen Kammerorchester unter der Leitung von Carlo Jans auf. Im Jahr 2003 wurde sie mit dem Prix Norbert Stelmes der Jeunesses Musicales du Luxembourg und im darauffolgenden Jahr mit dem Preis der Internationalen Stiftung IKB ausgezeichnet.

Cathys internationale Konzerttätigkeit umfasste Auftritte in den Vereinigten Staaten (Kennedy Center Millennium Stage, Washington, D.C.) und in den Niederlanden, wo sie auf Einladung der Stiftung Euriade in der Abtei Rolduc spielte. Darüber hinaus trat sie in Österreich, Spanien, Deutschland, Lettland, Andorra, Italien, Frankreich und Belgien auf und wurde eingeladen, beim Summerclassics Festival und bei Pianoplus Bonn zu spielen sowie Liederabende im K20/K21 Museum in Düsseldorf, im Luxembourg House in Berlin sowie im Grand Théâtre und in der Philharmonie Luxembourg zu geben.
In den letzten Jahren trat Cathy beim Liepaja Piano Stars Festival, dem Midi-Minimes Festival in Brüssel, dem Sint-Peter Festival in Louvain, dem Spaziomusica Festival in Cagliari, auf Schloss Elmau, im Hôtel d’Albret in Paris, beim Leipziger Klaviersommer und im Mendelssohn-Haus auf. Sie wurde außerdem als Artist in Residence zur Biermans-Lapôtre- Stiftung in Paris eingeladen und ging auf Tournee durch China.

Darüber hinaus trat Cathy Krier im Théâtre des Bouffes du Nord, in der Philharmonie de Luxembourg, in der Körber-Stiftung in Hamburg, beim Internationalen Festival Echternach, beim Festival “Nuits d’été à Pausilippe” in Neapel und beim Festival “1001 notes” in Limoges auf. Zudem trat sie mehrfach mit dem Philharmonischen Streichquintett Berlin auf und war auf Tournee in Kolumbien. Neben ihrer Arbeit als Rezitalistin trat Cathy als Solistin mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg, den Solistes Européens Luxembourg, L’Estro Armonico, dem Liepaja Symphony Amber Sound Orchestra und dem Latvian Philharmonic Chamber Orchestra unter verschiedenen Dirigenten wie Bramwell Tovey, Garry Walker, Pierre Cao, Yoon K. Lee und Atvars Laktsigala auf.

Ihre erste Soloaufnahme mit Scarlatti, Haydn, Chopin, Dutilleux und Müllenbach erschien 2008. Ihre 2013 beim deutschen Label CAvi-music erschienene Aufnahme mit den Klavierwerken von Leoš Janáček wurde von der internationalen Presse für ihre Originalität und ihren Reichtum gelobt. Die Aufnahme wurde mit dem “Coup de cœur” von France Musique und dem “Pianiste maestro” der französischen Zeitschrift “Pianiste” ausgezeichnet. 2014 veröffentlichte Cathy Krier eine CD, die György Ligetis Musica ricercata und Jean- Philippe Rameaus Pièces de clavecin gewidmet war (CAvi- music / Deutschlandfunk) und die als Referenzaufnahme anerkannt wurde (Wiener Zeitung). Ihre neueste CD “Piano – 20. Jahrhundert” wurde im Herbst 2015 veröffentlicht.

Cathy Krier wurde von der European Concert Hall Organisation (ECHO) zum “Rising Star” für die Saison 2015/16 gewählt. In diesem Rahmen führte sie unter anderem ein eigens für sie geschriebenes Stück des renommierten deutschen Komponisten Wolfgang Rihm auf. Sie trat unter anderem im Bozar in Brüssel, im Barbican Centre in London, in der Philharmonie 2 in Paris, im Sage Gateshead, in der Philharmonie Luxemburg, in der Laeiszhalle in Hamburg, im Konzerthaus Dortmund, im Palau de la musica in Barcelona, in der Calouste Gulbenkian Fondation in Lissabon, im Palast der Künste in Budapest, im Konserthus Stockholm, im Concertgebouw Amsterdam, in der Kölner Philharmonie, im Casa da musica in Porto, im Musikverein in Wien, in der Town Hall in Birmingham und im Festspielhaus Baden-Baden auf.

© Delphine Jouandeau